40 Jahre Dithmarscher Kohltage

–Wenn eine ganze Region den Herbst begrüßt–

Wenn sich der Sommer langsam verabschiedet, beginnt in Dithmarschen eine ganz besondere Zeit. Auf den Feldern sind die mächtigen Kohlköpfe längst nicht mehr zu übersehen, die Ernte läuft auf Hochtouren und in Hofläden, Geschäften und Restaurants rückt das wohl bekannteste Gemüse unserer Region wieder verstärkt in den Mittelpunkt. In diesem Jahr gibt es dabei einen besonderen Grund zum Feiern: Vom 22. bis 27. September finden die Dithmarscher Kohltage zum 40. Mal statt.

Was vor vier Jahrzehnten begann, hat sich zu einem weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannten Herbstfest entwickelt. Doch gerade hier in Norderdithmarschen ist Kohl weit mehr als ein Anlass für einige Tage voller Veranstaltungen. Er gehört zu unserer Landschaft und Landwirtschaft, zu unserer Küche und nicht zuletzt zur Geschichte der Region.

Dithmarschen ist heute das größte geschlossene Kohlanbaugebiet Europas. Auf mehr als 3.000 Hektar fruchtbaren Marschbodens wachsen Jahr für Jahr gut 90 Millionen Kohlköpfe. Das ausgeglichene Nordseeklima und die schweren, nährstoffreichen Böden bieten dafür hervorragende Voraussetzungen.

Der erste Kohl wird in Hemme angeschnitten

Zum 40. Geburtstag rückt der offizielle Auftakt der Kohltage ganz in unsere Nähe. Am Dienstag, 22. September, wird auf dem Hof von Andrea Kern und Thies Hagge-Kern in Zennhusen bei Hemme der erste Kohl angeschnitten. Um 10 Uhr beginnt dort das Anschnittsfest und damit offiziell die Jubiläumsausgabe der Dithmarscher Kohltage.

Der Kohlanschnitt gehört inzwischen ebenso zu den Kohltagen wie die Kohlregentinnen. Mit dem silbernen Anschnittmesser wird symbolisch die Ernte eröffnet. Anschließend wird in ganz Dithmarschen gefeiert, gekocht und natürlich reichlich Kohl gegessen.

Wesselburen nimmt dabei traditionell eine besondere Stellung ein. Schließlich liegen hier die Wurzeln des großflächigen Dithmarscher Kohlanbaus. Der Wesselburener Gärtner Eduard Lass experimentierte bereits um 1889 mit dem Kohlanbau und erkannte, welche Möglichkeiten Marschboden und Küstenklima boten. Aus seinen ersten Versuchen entwickelte sich eine Erfolgsgeschichte, die die Landwirtschaft der Region nachhaltig verändern sollte.

Am 26. und 27. September wird deshalb natürlich auch in Wesselburen wieder gefeiert. Rund um das KOHLosseum dreht sich beim Kohlmarkt vieles um das heimische Gemüse.

Einer, der für den Kohl lebte

Wer über die jüngere Geschichte des Kohls in Wesselburen spricht, sollte einen Namen nicht vergessen: Hubert Nickels.

Für viele Menschen gehörten Hubert Nickels und der Dithmarscher Kohl untrennbar zusammen. Als Produktions- und Betriebsleiter arbeitete er in der früheren Wesselburener Sauerkrautfabrik. Als dort 1995 die Produktion eingestellt wurde, hätte damit ein bedeutendes Kapitel Wesselburener Kohlgeschichte enden können.

Nickels wollte sich damit nicht abfinden. Gemeinsam mit Martin Kehl und Achim Krumbiegel legte er den Grundstein für das KOHLosseum. Vor allem aber tüftelte er weiter an seiner großen Leidenschaft: dem Sauerkraut.

Sein Ziel war es, Sauerkraut haltbar zu machen, ohne es nach der Fermentation durch Erhitzen pasteurisieren zu müssen. Nach jahrelangen Versuchen gelang ihm die Entwicklung eines besonderen Verfahrens, bei dem das Kraut direkt im verschlossenen Glas fermentiert. Ein speziell entwickelter Verschluss lässt die bei der Gärung entstehenden Gase entweichen, verhindert aber das Eindringen von Luft. Das Verfahren wurde patentiert.

Hubert Nickels verstand es aber nicht nur, zu forschen und zu entwickeln. Er konnte Menschen für sein Thema begeistern. Als „Krautmeister“ und „Sauerkrautpapst“ wurde er weit über Dithmarschen hinaus bekannt. Medien und Fernsehen berichteten über ihn und seine Ideen. Wer ihn bei einer Vorführung in der Krautwerkstatt erlebte, merkte schnell: Hier erklärte niemand einfach nur die Herstellung von Sauerkraut – hier sprach jemand über eine Sache, für die er lebte.

Hubert Nickels starb 2019. Seine Idee lebt weiter. Noch heute wird in der Krautwerkstatt nach dem von ihm entwickelten Verfahren produziert. Gerade zum 40. Geburtstag der Dithmarscher Kohltage ist deshalb auch Zeit, an einen Mann zu erinnern, der wie kaum ein anderer zum Botschafter des Dithmarscher Kohls geworden war.

Kohl gehört jetzt auf den Tisch

Die Kohltage sind natürlich vor allem eine Einladung zum Genießen. Zahlreiche Restaurants in Dithmarschen nehmen in diesen Wochen besondere Kohlgerichte in ihre Speisekarten auf. Dabei muss es längst nicht immer nur der klassische Kohl mit deftiger Beilage sein. Weißkohl, Rotkohl, Wirsing, Spitzkohl oder Sauerkraut lassen sich auf erstaunlich viele Arten zubereiten – traditionell norddeutsch ebenso wie leicht und modern.

Und warum eigentlich nur im Restaurant?

Gerade jetzt lohnt es sich, auch zu Hause wieder einmal mit Kohl zu kochen. Die Zutaten dafür liegen praktisch vor unserer Haustür. Frisches Gemüse gibt es direkt bei den Hofläden der Region und natürlich im örtlichen Lebensmittelhandel. Bei EDEKA Kemper und anderen Märkten findet sich alles, was neben einem schönen Dithmarscher Kohlkopf noch in Topf, Pfanne oder Auflaufform gehört.

Dabei ist Kohl nicht nur preiswert und vielseitig, sondern auch ernährungsphysiologisch interessant. Er enthält unter anderem Vitamin C und K, Mineralstoffe, Ballaststoffe sowie sekundäre Pflanzenstoffe. Die verschiedenen Kohlsorten bringen dabei jeweils ihre eigenen Stärken mit. Und fermentierter Kohl hat noch eine Besonderheit: Bei natürlich vergorenem, nicht pasteurisiertem Sauerkraut bleiben lebende Milchsäurekulturen erhalten.

Wer sehen möchte, was sich aus einem Kohlkopf noch alles machen lässt, kann im Bauernmarkt des Wesselburener KOHLosseums stöbern. Dort reicht das Angebot weit über den klassischen Kohlkopf hinaus. Verschiedene fermentierte Krautvariationen gehören ebenso dazu wie zahlreiche regionale Produkte. Und in der Krautwerkstatt lässt sich erleben, wie aus heimischem Bio-Weißkohl das Sauerkraut im Glas entsteht.

Auch Büsum feiert den Kohl

Der Weg des Kohls führt während der Kohltage auch bis an die Nordsee. Am Samstag, 26. September, verwandelt sich der Ankerplatz in Büsum in einen Kohlmarkt. Ab 11 Uhr gibt es dort Kohlgerichte und ein musikalisches Unterhaltungsprogramm. Der Nordseechor ist dabei, der Postbüdel sorgt für Comedy und am Abend wird mit DJ Micky gefeiert.

Damit bietet sich ein Besuch in Büsum vielleicht gleich für einen ganzen Tag an. Denn der beginnende Herbst hat an der Küste seinen ganz eigenen Reiz. Wenn das Wetter mitspielt, ist ein Spaziergang an der Promenade jetzt mindestens genauso schön wie mitten im Hochsommer – nur meist etwas ruhiger.

Das gilt auch für die gesamte Nordermarsch. Eine Radtour zwischen den abgeernteten Feldern, ein Spaziergang durch die weite Landschaft oder ein Besuch in einem der Landcafés: Man muss nicht weit fahren, um einen schönen Herbsttag zu verbringen.

Und wer in Büsum oder Wesselburen unterwegs ist, kann den Ausflug gleich mit einem Bummel durch die Geschäfte verbinden. Mit dem Ende des Sommers beginnt im Handel der Saisonwechsel und dabei lässt sich hier und da auch das eine oder andere Schnäppchen entdecken.

Jetzt werden die Ärmel wieder hochgekrempelt

Der September bedeutet aber nicht nur Kohl, Ausflüge und Herbstgenuss. Nach den Sommerferien verändert sich auch der Rhythmus in der Region.

Die Urlaubszeit geht zu Ende, die Schulen sind wieder gestartet und in vielen Unternehmen nimmt die Arbeit spürbar Fahrt auf. Was während der Sommerwochen vielleicht noch warten konnte, wird jetzt angepackt. Es wird geplant, gebaut und renoviert. Häuser werden für Herbst und Winter fit gemacht, neue Projekte beginnen und in Werkstätten, Büros und Betrieben werden die Ärmel wieder hochgekrempelt.

Das letzte große Jahresdrittel hat begonnen.

Vielleicht passt gerade deshalb der Kohl so gut zu dieser Jahreszeit. Er ist bodenständig, robust und ein Stück Heimat. Und seine Ernte zeigt jedes Jahr aufs Neue, was aus dem Boden entstehen kann, wenn zuvor gesät, gepflanzt und gearbeitet wurde.

Der Sommer mag sich langsam verabschieden. Das ist aber noch lange kein Grund, ihm hinterherzutrauern. Vor uns liegen Wochen, in denen Dithmarschen viel zu bieten hat – zum Feiern und Genießen, zum Einkaufen und Entdecken und nicht zuletzt zum Anpacken.

Also: Willkommen Herbst!

Text: Hartmut Schmidt
Bilder: Dithmarschen Tourismus e. V./Mona Knabe, Kreis Dithmarschen, TMS Büsum GmbH

Dienstag, 15 September, 2026