
–Warum Büsum und Wesselburen gemeinsam stärker sind als viele denken–
Wer an Büsum denkt, hat meist sofort Bilder von der Nordsee vor Augen: Urlauber auf der Familienlagune, volle Restaurants, lebendige Einkaufsstraßen und das maritime Flair des Hafens. Wesselburen dagegen steht für eine andere Seite Dithmarschens: für Ruhe, Gemeinschaft, Kultur und das Leben mitten in der Marsch.
Auf den ersten Blick könnten die beiden Orte kaum unterschiedlicher sein. Doch bei einem gemeinsamen Gespräch mit den Bürgermeistern Oliver Kumbartzky und Holger Ehlers wurde schnell deutlich: Gerade diese Unterschiede machen die Region stark.
Denn längst sind Büsum und Wesselburen weit mehr als Nachbarn. Die gemeinsame Verwaltung arbeitet Hand in Hand, viele Menschen wohnen in einem Ort und arbeiten im anderen, Urlauber entdecken von der Nordsee aus das gesamte Umland und zahlreiche Herausforderungen betreffen beide Gemeinden gleichermaßen. Dazu gehören die Schaffung von Wohnraum, die ärztliche Versorgung, die Entwicklung moderner Infrastruktur und die Anpassung an den demografischen Wandel.
Gegensätze, die sich ergänzen
Für Oliver Kumbartzky ist die Nordermarsch eine „Region der Chancen“. Die wirtschaftlichen Perspektiven seien vielfältig. Neben dem Tourismus spielen Energie, moderne Arbeitsformen und neue Unternehmensansiedlungen eine wichtige Rolle. Gleichzeitig profitieren auch die kleineren Orte vom Erfolg Büsums.
So besuchen viele Urlaubsgäste während ihres Aufenthalts das Kohlosseum, das Hebbel-Museum oder andere kulturelle Angebote im Umland. Auch Ausflüge mit dem Fahrrad durch die weite Marschlandschaft erfreuen sich großer Beliebtheit. Während Büsum mit Meer, Hafen und touristischer Infrastruktur punktet, bietet Wesselburen kulturelle Vielfalt, authentisches Kleinstadtleben und attraktive Freizeitangebote.
„Wasser zieht immer“, sagt Holger Ehlers mit Blick auf die Anziehungskraft der Nordsee. Gleichzeitig sei zu beobachten, dass immer mehr Urlauber nicht nur Trubel suchen, sondern auch Interesse an Land und Leuten zeigen. Wer länger in der Region bleibt, entdeckt schnell die vielen Facetten der Nordermarsch.
Dass beide Orte unterschiedliche Stärken besitzen, zeigt sich auch beim Thema Wohnen. Während Baugrundstücke in Büsum traditionell knapp und teuer sind, verfügt Wesselburen über mehrere Neubaugebiete mit vergleichsweise günstigen Grundstückspreisen. Für viele Familien entsteht dadurch eine attraktive Kombination: Arbeiten in einem wirtschaftlich starken Umfeld und gleichzeitig Wohnen in einer ruhigen, familienfreundlichen Umgebung.
Leben, wo andere Urlaub machen
Die Region hat sich in den vergangenen Jahren spürbar verändert. Dank moderner Kommunikationsmöglichkeiten müssen viele Menschen heute nicht mehr täglich in die großen Städte pendeln. Wer früher für einen Arbeitsplatz nach Hamburg oder Berlin ziehen musste, kann heute oft an der Westküste wohnen und dennoch bundesweit oder sogar international tätig sein.
Diese Entwicklung eröffnet neue Chancen. Familien finden hier Lebensqualität, kurze Wege und ein sicheres Umfeld für ihre Kinder. Gleichzeitig profitieren Unternehmen von motivierten Fachkräften, die bewusst das Leben an der Küste wählen.
Mit Diana Wieben wurde in Büsum sogar eine Fachkräftemanagerin eingestellt, die gezielt dabei helfen soll, Arbeitskräfte für die Region zu gewinnen. Was vor einigen Jahren noch ungewöhnlich erschien, ist heute vielerorts Realität: Menschen arbeiten teilweise im Homeoffice, pendeln nur gelegentlich in die Großstadt und genießen ansonsten die Vorzüge des Lebens zwischen Nordsee und Marsch.
Die hohe Lebensqualität ist dabei längst kein Geheimtipp mehr. Dennoch stehen beide Orte vor ähnlichen Herausforderungen. Die Nachfrage nach Wohnraum bleibt hoch, während gleichzeitig steigende Baukosten und hohe Finanzierungskosten viele Bauvorhaben erschweren. Gerade deshalb wünschen sich die Kommunen weitere Investitionen in den Wohnungsbau.
Verwaltung im Wandel
Viele Menschen verbinden Verwaltung vor allem mit Behördengängen, Anträgen und Formularen. Tatsächlich haben sich die Aufgaben der Kommunen in den vergangenen Jahren jedoch erheblich verändert.
Heute gehören IT-Sicherheit, Digitalisierung, Fördermittelmanagement, soziale Projekte, Klimaschutzmaßnahmen und die Unterstützung des Ehrenamtes zum Alltag einer modernen Verwaltung. Gleichzeitig steigen die gesetzlichen Anforderungen stetig. Förderanträge werden komplexer, Bauvorschriften umfangreicher und auch die Absicherung gegen Cyberangriffe gewinnt zunehmend an Bedeutung.
Ein erfolgreicher Angriff auf die IT kann heute eine komplette Behörde lahmlegen. Entsprechend wichtig sind qualifizierte Mitarbeiter und moderne technische Ausstattung geworden.
Um Vereine und ehrenamtlich Engagierte zu unterstützen, wurde im Amtsbereich zudem eine Ehrenamtskoordinatorin eingestellt. Sie hilft dabei, Projekte zu begleiten und Menschen miteinander zu vernetzen. Für beide Bürgermeister ist dies ein wichtiger Baustein für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Investitionen in die Zukunft
Ein sichtbares Zeichen dieser Entwicklung sind die neuen Amtsgebäude in Büsum und Wesselburen. Beide Rathäuser sollen nach derzeitiger Planung im zweiten Quartal 2027 bezogen werden.
Die bisherigen Gebäude stoßen längst an ihre Grenzen. In Büsum mussten bereits zusätzliche Räume angemietet werden, um das gewachsene Personal unterzubringen. Gleichzeitig sollen die Neubauten deutlich bürgerfreundlicher, moderner und barrierefreier werden.
Dabei geht es nicht allein um neue Büros. Vielmehr sollen Orte entstehen, an denen sich Bürger willkommen fühlen und Verwaltung zeitgemäß arbeiten kann. Moderne Sitzungssäle, bessere Zuschauerplätze, digitale Technik und die Möglichkeit hybrider Sitzungen gehören ebenso dazu wie attraktive Arbeitsplätze für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Die Bürgermeister betonen dabei einen wichtigen Gedanken: Besucher der Rathäuser sollen als Kunden wahrgenommen werden und nicht als Bittsteller. Dieser Servicegedanke prägt die Planungen für die neuen Gebäude maßgeblich.
Region der kurzen Wege
Was beide Bürgermeister besonders an ihrer Heimat schätzen, lässt sich leicht zusammenfassen: Die Wege sind kurz, die Menschen begegnen sich auf Augenhöhe und vieles liegt direkt vor der Haustür.
Wer morgens in Wesselburen startet, erreicht in wenigen Minuten die Nordsee, den Hafen, Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Ärzte oder kulturelle Einrichtungen. Gleichzeitig laden die weiten Marschlandschaften zu Fahrradtouren und Spaziergängen ein.
Auch persönlich schätzen beide Bürgermeister die Vorzüge des jeweils anderen Ortes. Holger Ehlers genießt gerne einen Bummel durch Büsum oder einen Spaziergang an der Nordsee. Oliver Kumbartzky verbindet mit Wesselburen unter anderem seine Zeit im Kohlosseum und schätzt die kulturellen Angebote sowie die Gastronomie der Hebbelstadt.
Gemeinsam in die Zukunft
Beim Blick auf die kommenden zehn Jahre herrscht zwischen beiden Bürgermeistern bemerkenswerte Einigkeit. Die Region rund um Büsum und Wesselburen soll auch künftig lebens- und liebenswert bleiben. Wachstum und Entwicklung seien wichtig, gleichzeitig wolle man sich die eigenen Stärken bewahren.
Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis des Gesprächs: Die Zukunft der Nordermarsch liegt nicht im Konkurrenzdenken, sondern im Miteinander.
Büsum bringt Dynamik, Tourismus und wirtschaftliche Kraft ein. Wesselburen steht für Kultur, Gemeinschaft und attraktiven Wohnraum. Zusammen entsteht daraus eine Region, die Einheimischen, Unternehmen und Gästen gleichermaßen viel zu bieten hat.
Oder, um es mit einem Satz zusammenzufassen:
Büsum und Wesselburen sind unterschiedlich – und genau darin liegt ihre Stärke.
Text & Bild: Hartmut Schmidt