
– Lerncoaching an der Eider-Nordsee-Schule –
Viele Schulen machen sich deutschlandweit auf den Weg, die Lehr- und Lernmethoden grundsätzlich zu überdenken und zu verändern. In den letzten Jahren hat sich die Gesellschaft, haben sich die Kinder und Jugendlichen stark verändert. Wurde bis vor einigen Jahren durch Zeitung und Fernsehen informiert, sind es heute die sozialen Medien, die als wichtige Informationsquelle dienen. Kurze Filme, knappe Statements, schnelles Wischen über den Bildschirm sind die Informationsmethoden, mit denen unsere Schülerinnen und Schüler groß werden. Sie nutzen andere Lernkanäle.
Auch an der Eider-Nordsee-Schule stehen beim Lernen nicht allein die Fachinhalte im Vordergrund, es rücken die persönliche Entwicklung, das Verantwortungübernehmen und die Beziehungsarbeit in den Fokus. Die Schule öffnet mit einem neuen Ansatz seit dem Sommer bewusst Lernräume.
Begleitung der Kinder
Ein ganz wichtiger Punkt ist die kontinuierliche Begleitung. Schülerinnen und Schüler sollen nicht allein gelassen werden, sondern mit gezieltem Lerncoaching begleitet. Sie haben eine Lehrkraft dauerhaft an ihrer Seite, die sie beim Lernen begleitet, aber auch ein Ohr hat für andere schulische Anliegen des Kindes. Alle zwei Wochen hat jedes Kind in Klasse 5 einen festen Termin zum Coaching.
Verantwortung
übernehmen
Im Zentrum der Schulentwicklung steht die Überzeugung, dass echtes Lernen dann gelingt, wenn Kinder und Jugendliche Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess übernehmen und dabei verlässlich begleitet werden. Theoretische Ansätze zur Selbststeuerung, wie sie unter anderem von den Pädagogen Heinz-Jürgen Fratton und dem Schulleiter der Alemannenschule Jürgen Ruppaner vertreten werden, bilden dafür die Grundlage: Lernende brauchen Freiheit und gleichzeitig klare Strukturen. Genau hier setzt auch das Lerncoaching an.
Selbst gestaltetes Lernen (SeGeL)
In der SeGeL-Zeit arbeiten die Schülerinnen und Schüler des aktuellen 5. Jahrgangs an individuellen Lernplänen. Sie formulieren Ziele, planen ihre Arbeitsphasen, überprüfen ihre Ergebnisse und reflektieren ihre Fortschritte. Ihre Lehrkräfte begleiten diesen Prozess nicht als klassische Wissensvermittler, sondern als Lerncoaches. Sie führen Gespräche, stellen Fragen, geben Impulse, ermutigen und helfen. So entsteht eine vertrauensvolle Lernbeziehung, in der Kinder lernen, sich selbst besser einzuschätzen und Verantwortung für ihr eigenes Lernen zu übernehmen. Durch dieses kontinuierliche Coaching entwickeln die Schülerinnen und Schüler zentrale Schlüsselkompetenzen wie Selbstorganisation, Durchhaltevermögen und Eigenverantwortung.
Frei Day
Der Frei Day ist an vielen Schulen als Projekttag schon lange etabliert. Auch an der Eider-Nordsee-Schule steht seit den Sommerferien freitags in den fünften Klassen der Projektunterricht auf dem Stundenplan. In fächerübergreifenden Projekten arbeiten die Kinder gemeinsam an ihren Fragestellungen – etwa zu Nachhaltigkeit, Technik, kulturellen Themen oder sozialem Engagement. Die Lehrkräfte moderieren Gespräche, helfen bei Konflikten und fördern kreative Gedanken. Am Ende der Projektzeit stehen sichtbare Ergebnisse, auf die die Schülerinnen und Schüler stolz sein können. Noch wichtiger ist jedoch der Weg dorthin – mit gemeinsamem Lernen und Wachsen an Herausforderungen.
Von anderen Schulen lernen
Dem Schulleitungsteam der Eider-Nordsee-Schule ist es wichtig, nicht die Konzepte von anderen Schulen blind zu übernehmen. Zur Weiterentwicklung der Gemeinschaftsschule reisen Lehrkräfte gezielt zu anderen Schulen, die sich ebenfalls auf diesen Weg gemacht haben, nicht nur in Schleswig-Holstein, sondern auch nach Hamburg, Berlin, Bayern und Hessen. Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen sowie Einblicke in gelebte Praxis helfen dabei, das eigene Konzept kontinuierlich weiterzuentwickeln. Das Team der Wesselburener Schule ist davon überzeugt, durch einen neuen Weg die Schule wieder näher an die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen zu bringen. Informieren Sie sich gerne!
Text: Nele Schleicher, Thorsten Rode