Wesselburens Bienen schwärmen! Was nun?

Nach der Obstblüte beginnt jedes Jahr eines der faszinierendsten Naturschauspiele unserer Kulturlandschaft: Honigbienen schwärmen aus! Auch in Wesselburen und Umgebung sind derzeit wieder summende Bienenwolken unterwegs. Manche Menschen beunruhigt das – tatsächlich ist es ein ganz natürlicher Vorgang. Hinnak Claußen und seine Imkerkollegen haben dann viel zu tun: Sie rücken aus, um die Bienenschwärme wieder einzufangen. 

Warum schwärmen Bienen?

Zur sonnigen Mittagszeit in Spätfrühling und Sommer zieht die alte Bienenkönigin mit einem Teil ihres Volkes aus dem Bienenstock aus. Zurück bleiben eine oder mehrere neue, junge Königinnen und der restliche Teil des Bienenvolkes. So kam es in den letzten Wochen häufiger vor, dass Schwärme in Bäumen, Hecken, in Ritzen und unter Dächern Unterschlupf gefunden haben.

Man könnte diesen Vorgang mit einem höfischen Machtwechsel vergleichen: Noch bevor die junge Königin schlüpft und ihre Rivalinnen ausschaltet, verlässt die alte Königin mit einem Teil ihres Hofstaates den Stock und gründet andernorts einen neuen Staat. 

Die Schwarmwolke aus Bienen macht sich auf den Weg und sucht eine neue Behausung. Zunächst sammeln sich die Honigbienen an einem nahegelegenen Ast. Diese Bienentraube reguliert die Temperatur und hält den Schwarm rund um die Königin zusammen. Denn die Bienen haben an ihren Beinen Haken, mit denen sie sich aneinander ketten. So hält die mehrere tausend Tiere zählende Traube. 

Aus dieser Traube lösen sich einzelne Spurbienen, die ein neues Zuhause auskundschaften. Spüren diese eine neue Behausung auf, melden sie dem Schwarm Richtung und Entfernung und die Schwarmtraube löst sich auf. Auf dem Weg ins neue Domizil bildet sich wieder eine summende Schwarmwolke, die von weit her zu hören ist. Dort werden die bisherigen Pollen- und Nektarsammlerinnen zu Baumeisterinnen: Sie schwitzen Wachs und bauen damit Waben. So entsteht ein neuer Bienenstock. 

Während wir Menschen einen Bienenschwarm oft als Ausnahme wahrnehmen, ist er für Bienen der Normalfall. Seit Millionen Jahren vermehren sie sich auf diese Weise – laut summend, scheinbar chaotisch und doch erstaunlich geordnet.

Gibt es dabei ein Problem?

„Ja, manchmal dauert es ein bisschen bis die Kundschafterinnen eine neue Bienenhöhle gefunden haben“, erklärt der Vorsitzende des Kreisimkerverein Dithmarschen-Nord Hinnak Claußen. Was die Honigbienen suchen, ist eigentlich eine Bienenhöhle in einem alten, hohlen Baumstamm. Eine für Honigbienen geeignete Höhle benötigt ein Volumen von mindestens 20 Litern, damit die Bienen genug Honig zum Überwintern sammeln können. Schwarzspechte können Baumhöhlen solcher Größe schaffen. 

Mit etwas Glück sind in der Geest in den alten Buchen Westerwohlds verwilderte Honigbienen zu sehen. Denn in naturnahen Wäldern können auch Honigbienen gelegentlich ohne Imker überleben – vorausgesetzt, sie finden so eine große Baumhöhle in alten Buchen oder Eichen. Doch in den waldfreien Gegenden wie der Marsch sind diese selten geworden. „Ohne den Schutz der natürlichen Höhle überleben die meisten ausgeschwärmten Völker nicht lange“, betont der Wesselburener Claußen. Deshalb werden die meisten Honigbienenvölker heute von Imkerinnen und Imkern in Bienenbeuten gehalten – in Gärten, auf Wiesen oder an Blühstreifen.

Für Honigbienen kommt seit den 1970er Jahren ein weiteres Problem hinzu: die Varroamilbe. Dieser eingeschleppte Parasit vermehrt sich ohne imkerliche Behandlung rasant. Die heimischen Bienen haben gegen dieses Neozoon keine Abwehrkräfte, deshalb führt der unbehandelte Befall zum Zusammenbruch des Volkes. Einzelne Bienen, die im Volk überleben, suchen Zuflucht bei anderen Völkern, schleppen aber so den Parasiten in diese Völker ein. 

Imkerinnen und Imker behandeln ihre Bienenvölker deshalb regelmäßig mit Medikamenten. Dadurch schützen sie nicht nur ihre eigenen Völker, sondern verhindern auch die Ausbreitung von Parasiten und Krankheiten zwischen Honigbienenvölkern und tragen dazu bei, mögliche Auswirkungen auf Wildbienen zu verringern.

Ein Bienenschwarm im Garten – was tun?

Die Schwarmlust der Bienen hat die Königin mit ihrem Teilvolk in Ihren Garten getrieben, der Bienenschwarm hat sich in Ihrem Garten an einem Baum oder in einer Hecke versammelt… „Jetzt gilt vor allem eines: Ruhe bewahren! Der Schwarm ist friedlich!“, betont Claußen. 

Im Gegensatz zu Wespen sind Bienen nicht angriffslustig. Bienen nutzen ihren Stachel nur im äußersten Notfall, zum Beispiel, wenn sie versehentlich gequetscht werden oder sie ihre Vorräte im Stock verteidigen müssen. Die Schwarmbienen sind vollgesogen mit Honig, den sie auf der Suche nach einer neuen Behausung oder als Starthilfe im neuen Stock brauchen. Gut gefüllte Honigmägen machen sie ausgesprochen friedfertig ‒ ähnlich wie ein Mensch nach einem guten Essen.

„Lassen Sie die Bienen zur Ruhe kommen und den Kundschafterinnen Zeit, nach einer geeigneten Behausung zu suchen. Notieren Sie sich, wo sich die schwärmende Bienenwolke niederlässt“, wünscht sich Claußen. 

Rufen Sie dann den örtlichen Imkerverein an (Kontakt unten) und teilen den genauen Standort des Schwarmvolkes mit. Die ImkerInnen Nord-Dithmarschens kommen dann, fangen die Bienen professionell ein und geben ihnen eine bienengerechte neue Behausung.

Wer also in diesen Tagen einen Bienenschwarm entdeckt, muss keine Angst haben. Im Gegenteil: Er erlebt einen der faszinierendsten Momente im Leben eines Bienenvolkes. 

© Britt-Kristin Körner

Kontakt über: 

Kreisimkerverband Dithmarschen-Nord 

1.Vorsitzender Hinnak Claußen 

Gartenweg 5, 25764 Wesselburen, 

mobil: 0172 5954691 

E-Mail: hinnakcl@gmail.com

Im Kreisimkerverband Dithmarschen Nord sind rund 115 Imker organisiert und vernetzt, die sich getreu dem Motto. „Geht es den Bienen gut, geht es dem Menschen gut!“ dem Wohl der Bienen annehmen. 

Der Verein freut sich über neue ImkerInnen – ob jung oder alt!

Foto: Hinnak Claußen

Montag, 13 Juli, 2026